Atze for President!

Es ist ein stinknormaler Sonntag in Deutschland. Heike Bongartz aus Gülzow-Prüzen in der Nähe von Bützow und Güstrow im Landkreis Rostock fragt ihren Mann Detlef Bongartz wie ihm die Fliederbeersuppe schmecke und er antwortet, sie sei gut, in der Hoffnung, so einer längeren Konversation aus dem Weg gehen zu können. Botlef Damagalski aus Ralbitz-Rosenthal bei Räckelwitz in der Oberlausitz sitzt in seiner Eigentumswohnung vor einem Röhrenfernseher und in der gemütlichen Eckkneipe ‚Zur goldenen Laterne’ in Hamburg sitzen, wie an jedem stinknormalen Sonntag in Deutschland, drei Männer und unterhalten sich…

„Da klapp mir doch einer die Fußnägel hoch, hömma!“, entfährt es dem im Exil lebenden Pott-Proleten Eddi. „Wie die Sternsinger standen se da und haben einfach den Frank-Walter ins Schloss Bellevue geschubst. Dat offizielle Staatsoberhaupt Deutschlands wird der kleinste gemeinsame Nenner – dat is ma wieder ne Sternstunde für die Demokratie!“

Wirt Rolli stellt dem charismatischen Choleriker ein Pils vor die Nase. „Der hat seiner Frau ne Niere gespendet, wenn das nicht mal von menschlicher Größe zeugt.“

„Keine Niere, kein Problem. Aber Eier musste haben bei dem Job.“, wendet Matte trocken ein, der wie immer am Spielautomaten in der Ecke sitzt.

„Hömma, dat gab doch nich ma ne richtige Stellenausschreibung für den Job! Wenigstens ne kleine Annonce hätt’s doch schon getan: ‚Drei einsame Parteigreise suchen alten Anzugträger für warme Weihnachtsrede und gelegentliche Schiffstaufen. Ansehnliches Beiwerk für First-Lady-Zwecke von Vorteil.’ Dat wäre doch transparent gewesen! Also Rolf Eden oder Loddar Matthäus hätten sich bestimmt noch beworben.“

Im Radio stellt Pink dem amerikanischen Präsidenten ihre anklagenden Fragen, ohne jedoch selber eine Antwort für diese parat zu haben. Eddi schüttelt den Kopf. „Versteht doch niemand dat Gesülze da. Schalt mal um, Rolli.“

Rolli dreht an dem dicken Regler und stellt die Frequenz auf die 89,5, wo Rockröhre Rio Reiser sich gerade ausmalt, wie er als König von Deutschland zweimal täglich baden würde. Wasser auf die Mühlen von Eddi, der hastig seinen nächsten Wacholder runterkippt.

„Der Rio Reiser als König von Deutschland wäre mir immer noch lieber als die wandelnde Dauerwelle Trump in Amerika drüben! Da brauchste hier als Bundespräsi aber auch einen, der dem auf Augenhöhe begegnen kann. Ich wüsste auch schon, wer dat machen könnte. Sexistisch, populistisch, Scheißfrisur…“

„Stefan Effenberg!“, grätscht Matte im Stile des Erwähnten dazwischen.

„Schwachsinn! Der Atze Schröder muss dat machen, dat is meine Meinung! Yes we can, America great again, wir schaffen das – is doch allet Tinnef! Ja ne, is klar – dat is der neue Slogan! ‚Rentenreform? Ja ne, is klar.’ Dat passt doch!“

„Also der im Schloss Bellevue – das kann ich mir irgendwie nicht so richtig vorstellen…“ Rolli guckt an die Decke, als würde er sich tatsächlich gerade ausmalen wie der sprücheklopfende Kioskbesitzer in Berlin einzieht. Eddi ist von seiner eigenen Idee dagegen schon längst völlig überzeugt.

„Na sicher! Im Westflügel macht der ne Trinkhalle auf und im Garten wird n Förderturm aufgestellt. Dat fehlt der Politik eh, son bisschen Ruhrpott-Flair. Und wenn der Trump zu Besuch kommt, gibt’s ne Mantaplatte! A propos Mantaplatte: Ich muss jetzt auch los, die Ulla hat heute Labskaus gemacht. Kulinarisch bin ich ja eher so der Globaltrotter.“

„Das ist was feines! Dann bis nächste Woche, Eddi!“