Kompromisse mit Friseuren

„Eine Woche!“, ruft Eddi und hebt beherzt den Zeigefinger wie ein überengagierter Geschichtslehrer, der die Wichtigkeit seiner Aussage hervorheben will, „Eine Woche im Amt und der Trump hat schon mehr Wahlversprecher eingelöst, als die Merkel in drei Legislaturperioden!“

Der politikinteressierte Malermeister ist sich zur Zeit selbst noch nicht so ganz sicher wie er zu dem frisch vereidigten US-Präsidenten stehen soll, denn auf der einen Seite hätte er selbst in der ersten Amtswoche natürlich alles komplett anders gemacht als Trump.
Auf der anderen Seite imponiert ihm die Tatsache, dass der angloamerikanische Neupolitiker mit der feschen Föhnfrisur in seinen ersten Tagen als Präsident überhaupt schon so viel umgesetzt hat.

Zum Vergleich: Das Tätigkeitsfeld eines deutschen Kanzlers in seiner ersten Arbeitswoche beschränkt sich traditionell auf das Auskatern und Aufräumen nach der Amtsantrittsparty. Erst in der zweiten Woche, wenn alle Bierkisten zum Pfandautomaten gebracht und die Reste vom Buffet eingetuppert sind, geht man im Kanzleramt dazu über erste Kennenlernspiele zu spielen, um langsam miteinander warm zu werden.
In dieser Zeit hat Trump bereits 134 Millionen Menschen aus den Vereinigten Staaten ausgesperrt, ein internationales Handelsabkommen mit 11 Nationen aufgekündigt und den Bau einer 3000 Kilometer langen Mauer in Auftrag gegeben.

Eddi kann sich bislang noch nicht entscheiden was die schlimmere Eigenschaft für einen Politiker ist: Unfähigkeit oder Untätigkeit.

Im Moment kreisen die Gedanken des politisierten Pils-Trinkers ohnehin schon wieder um die in seinen Augen wichtigere Frage, wie denn nun aus deutscher Sicht mit einem US-Präsidenten Trump umzugehen sei. Gedanken, die er Wirt Rolli, der ihm gegenüber steht und Gläser poliert, umgehend mitteilt.

„Der schließt doch nich ma Kompromisse mit seinem Friseur! Warum sollte er dann mit uns Kompromisse schließen? Unsere Interessen gegenüber Trump von nem Diplomaten vertreten zu lassen ist ungefähr so als wollte man den Eiffelturm mit ner Knallerbse sprengen!“

„Joa. Ne, da könntest du Recht haben.“, pflichtet ihm Rolli bei.

„Wir brauchen jetzt einen kompromisslosen Typen als Kanzler. Einen Mourinho oder einen Magath! Der gelernte Politiker ist am Ende!“ Eddi trinkt sein Bier aus und fordert seinen Barkeeper mit einer Geste auf ein neues zu zapfen.
„Stell dir doch mal den menschgewordenen Kompromiss Martin Schulz vor, wie der mit Trump verhandelt. Das kann doch nichts werden! Der wird doch ausgelacht!“

Nach einer kurzen Denkpause fügt er hinzu: „Einem Mann, der keinen Alkohol trinkt kann man sowieso nicht trauen. Die Wahrheit liegt schließlich im Wacholder. Das ist ja bekannt!“
Dann leert er sein Schnapsglas.

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