Locker Room Talk

„Jetz mach mir ma ein Pils klar, Rolli! Meine Leber knurrt schon, hömma!“ – Eddi hat noch nicht einmal seine Jacke ausgezogen, geschweige denn seinen Stammplatz eingenommen, aber er sieht sich trotzdem schon gezwungen seinen Wirt verbal an den Zapfhahn zu schubsen.
Seit Tagen hat er kein Bier mehr getrunken, weil er einfach zu beschäftigt war um seine sonst üblichen Kneipenbesuche in seinem Terminkalender unterzubringen.

Entsprechend gereizt nimmt der verdrießliche Malermeister Platz, nachdem er sich seiner Jacke entledigt hat. Der Willkommenswacholder, den sein Wirt ihm bereits vor die Nase gestellt hat, wird umgehend gestürzt. Auch das erste Pils ist verschwunden bevor seine liebevoll gezapfte Krone auch nur in Ansätzen in sich zusammenfallen konnte.

Eddi schiebt das leere Glas wortlos zur ‘Reanimation’, wie er es gern nennt, quer über die Theke zu Rolli herüber, breitet dann seine BILD-Zeitung aus und beugt sich kopfschüttelnd über das Meinungsmagazin.
„Die Amis, du! Nich zu fassen, wat da bei denen abgeht, hömma!
Ein Volk dat die Auswahl für’s Staatsoberhaupt auf nen Pussy-fummelnden Milliardär und eine lungenkranke Kriegsministerin eingrenzt, dat sollte eigentlich lieber nicht in Besitz von Atomwaffen sein.“

Rolli legt seinem Stammgast, der ihm noch immer nicht guten Tag gesagt hat, ungefragt eine von seinen hausgemachten Frikadellen neben das Bierglas.

„Aber wen wundert’s, wenn du die Bevölkerung über Jahrzehnte nur mit Burger und Coca-Cola vollstopfst..“, sagt Eddi, nimmt einen tiefen Hieb von seinem frisch gezapften Pils und beißt beherzt in seine Frikadelle.
„Dat Gehirn brauch ja auch ma ein paar Vitamine um sich zu entwickeln!“, fügt er schmatzend an.

„Dat is unfassbar, dass so ne Witzfigur wie der Trump es da tatsächlich bis zur Kandidatur bringt.“, setzt der politikinterssierte Trinker seine Überlegungen fort. Den Namen Trump betont er dabei so deutsch es eben geht.

„Der wesentliche Unterschied zwischen Donald Trump und Donald Duck ist doch eigentlich der Nachname…
Und vielleicht noch dat der Trump es meistens schafft sich vor’m TV-Auftritt ne Hose anzuziehen. Aber dat war’s dann auch.“

Rolli zapft ungefragt und wortlos für seinen Gast nach. Wenn Eddi ein paar Tage nicht in der Laterne war, dann muss immer erst mal einiges raus, das weiß der Wirt und lauscht deshalb weiter ruhig den Monologen seines Stammkunden.

„Dat der da zur Wahl steht, dat is ja als würden se den Atze Schröder hier in Deutschland als Bundespräsidenten vorschlagen… Unvorstellbar!
Aber dat wäre aber immer noch ne bessere Lösung als den Steinmeier zu nehmen. Ein Mann mit dem Charisma eines Ohrensessels sollte nicht unser oberster Repräsentant sein, dat is meine Meinung!

Ich finde überhaupt wir sollten einen veganen, schwulen, schwarzen Muslim zum Bundespräsidenten wählen. Dann bekommen zwei Drittel aller Pegida-Demonstranten einen Herzinfarkt… Sind wir die auch endlich los.“

Eddi unterbricht seine Ausführungen kurz zugunsten einer Trinkpause, um direkt nach dem Leeren des Glases lachend fortzufahren: „Aber wenn der Trump Präsident ist und davon Wind bekommt, dann haben wir Amerikas nächsten humanitären Einsatz hier in Deutschland.“
Er beißt in seine Frikadelle und redet schmatzend weiter: „Der hat ja gesagt, dat er seine Tochter daten würde, wenn sie nich mit ihm verwandt wäre. Wie kann man denn so jemanden ernsthaft als Präsidenten in Betracht ziehen, hömma?“

Eddi erwartet keine Antwort auf seine Frage, denn er hat seine eigene Erklärung, die auch direkt zum Besten gibt: „Naja, aber in weiten Teilen der USA ist dat ja glaube ich auch nichts Ungewöhnliches. Da sind die Stammbäume ja auch eher spinnennetzartig strukturiert.“

Nach einer kurzen Denk- und der nächsten Trinkpause sieht der aufmerksame BILD-Leser die Zeit für sein Resümee gekommen.
„Die Hillary is aber auch nicht besser. Die hat auch nicht umsonst ne Frisur in der ne Gewehrkugel stecken bleiben würde.. Und der Donald lebt dat Motto ‘Stumpf ist Trump’! Da haben se einfach zielsicher die beiden unfähigsten ausgesucht.
Dat is so’n bisschen so als würden in Deutschland Carsten Maschmeyer und Margot Honecker zur Wahl stehen… Aber soll nich mein Problem sein – mein Oppa hat immer gesacht: ‘Bei kleinen Problemen hilft der Fachmann, bei großen der Flachmann’… Recht hat er!“, beendet Eddi seine Gedanken und kippt einen Wacholder runter.

„Schön, dass du wieder hier bist, Eddi.“, antwortet Rolli nach der ersten kurzen Stillephase des Abends.