Stammgäste

Rolf ‚Rolli’ Schneider:
Rolli ist Wirt – aus Leidenschaft. Dabei lässt sich keineswegs sagen, dass ihm dieser Lebensweg vorgezeichnet war. Aus Rolli hätte noch was werden können, hat seine Mutter immer gesagt. Nach einer Ausbildung zum Schlosser war er zwar noch kurz als ein solcher tätig, doch aufgrund des mangelnden handwerklichen Geschicks offenbarte sich schnell, dass Rolli in diesem Beruf keine Zukunft haben wird. Er witterte das große Geschäft im Vertretertum und heuerte beim geographischen Verlag Lehmanns an. „Lehmanns Globus gehört in jedes Haus“, wiederholte Rolli an jeder Haustür gebetsmühlenartig, um seine Verkaufszahlen in die Höhe zu treiben – mit mäßigem Erfolg. Als dann noch seine Frau Inge schon im Alter von 40 Jahren tragisch ums Leben kam, weil sie beim Kirschenpflücken von der Leiter fiel, beschloss er einen Neuanfang zu wagen. Von ihrem Erbe kaufte Rolli 1993 eine alte Eckkneipe in Hamburg-Tonndorf und steht seitdem hinter dem Zapfhahn. Etwas anderes könnte sich der 64-jährige Wirt auch nicht mehr vorstellen, schließlich sind seine Stammgäste inzwischen so etwas wie seine Familie und die Laterne zu seinem Wohnzimmer geworden…

Eduard ‚Eddi’ Matussek:
Nein, über die „Jugend von heute“ wird Eddi kein gutes Wort mehr verlieren. Der 57-jährige Malermeister hadert regelmäßig mit seinen Azubis. „Spachteln können die nur in der Mittagspause“, pflegt er dann zu sagen. Auch sein Sohn Thomas hat seine Anpacker-Mentalität nicht geerbt. Der studiert, aber was genau hat Eddi bis heute nicht verstanden, „irgendwat Soziales“ auf jeden Fall. Eines steht aber fest: Der Junge kommt nach seiner Mutter. Die heißt Ulla und ist der Grund, warum Eddi seinen natürlichen Lebensraum im Ruhrgebiet verlassen hat und zu ihr nach Hamburg gezogen ist. Kennengelernt haben sich beide beim Bingo im Cluburlaub auf Fuerteventura, der gemeinsamen Wohnung in Hamburg-Wandsbek folgte der gemeinsame Sohn Thomas. Seitdem kommt Eddi regelmäßig in die Laterne. Es ist nicht immer leicht seinem Sprüchefeuerwerk zu folgen, denn thematische Grenzen sind bei ihm fließend wie das Bier aus Rollis Zapfhahn. Und wenn die Bild-Zeitung dann noch mit einer neuen, reißerischen Headline aufmacht, sollte Rolli den Beruhigungs-Wacholder schon mal aus dem Eisfach holen…

Mathias ‚Matte’ Welsch:
Wie alt Matte wirklich ist, weiß eigentlich niemand so genau. Tue ja nichts zur Sache, meint Matte dann, wenn die Frage mal wieder aufkommt. Über 70 wird er aber sein, um mal rein nach dem Äußeren zu gehen, obwohl sein genüsslicher Konsum von Korn, Bier und Zigaretten die Schätzung erschwert. Auch sonst gibt der pensionierte Finanzbeamte wenig von sich Preis. Seit der Trennung von seiner Frau vor fast 20 Jahren ist er einfach nicht mehr derselbe. Sein letztes erotisches Abenteuer mit einer Frau war die flüchtige Berührung der jungen Kassiererin im Rewe an der Moltkestraße. In seiner Erinnerung hat sie ihm dabei kurz zugelächelt, aber das hat er sich bestimmt nur eingebildet, wie er sich manchmal denkt. Bei Rolli in der Laterne aber, fühlt sich der zurückhaltende Trinker wohl. Zumindest solange die Würfel rollen und das Bier fließt…