Wurst ohne Fleisch

Eddi sitzt auf seinem Stammplatz und dreht stirnrunzelnd einen potthässlichen Porzellanschneemann in seinen Händen hin und her, den Rolli vor Jahren einmal im untersten Sonderpostenregal des Supermarktes um die Ecke gefunden und zum Spottpreis von siebzig Pfennig mitgenommen hat.
„Wat soll dat denn hier?“, fragt er seinen Wirt, der ihm gerade ein frisch Gezapftes vor die Nase stellt und anschließend erklärt: „Deko, Eddi.“

Eddi kann mit Rollis festlichen Dekorelementen allerdings wie jedes Jahr herzlich wenig anfangen. Im Bereich Inneneinrichtung agiert der Malermeister eher funktionsorientiert und aus dem mangelnden Verständnis für die aus seiner Sicht überflüssigen Staubfänger resultiert eine regelrechte Wut, die zu einer alljährlichen Deko-Diskussion führt.

Man könnte sie inzwischen fast als Eddis liebste Weihnachtstradition bezeichnen.
Eine Tradition, die den Charakter seiner Stammkneipe maßgeblich beeinflusst hat, denn standen Anfang des Jahrtausends regelmäßig schon im August die ersten Dominosteine und Rentier-Servietten auf der Theke in der ‘Laterne’, so hat man sich mittlerweile auf den Nikolaustag als Startschuss für das Weihnachtsfest geeinigt. Eddi’s Ziel kann jedoch nur die Begrenzung des Weihnachtsfestes auf die drei tatsächlichen Feiertage sein.

„Den Blödsinn muss ich Zuhause schon ertragen, hömma! Die Ulla hat mir die ganze Wohnung zugemüllt mit dem Plunder! Und überall hat se diese Lichterketten hingehängt. Wofür hab ich denn in jedem Raum ne Lampe montiert, sachma!“, beschwert er sich daher.
„Und dann musst ich auch noch zum Adventsfrühstück am Sonntag zuhause bleiben. Dat is ja auch nichts für mich, Hömma! Sitzen se da alle: ‘Oh, wat is der Kaffe schön heiß’ und ‘Wat schmeckt der Tee lecker mit dem Kandis’.
Ich sach: ‘Hol doch ma wat ausm Kühlschrank!!’“

Eddi kippt einen Wacholder runter, nimmt einen kräftigen Hieb aus seinem Bierglas und fährt schnaubend fort: „Dann war natürlich unser Thomas da, mit seine Bio-Brigitte nebendran und als ich in mein Brot beiße, denk ich ich werd verrückt! Da hat die Ulla für die alte Veggie-Verona ne vegetarische Wurst gekauft und ich hab mir die nichtsahnend auf die Stulle gelegt.“

„Das gibt es ja nicht!“, sagt Rolli entrüstet.
„Ne, sowas macht man nicht!“, pflichtet Matte ihm bei.

„Hab ich ja auch gesagt! Wurst ohne Fleisch, dat is doch wie Sex mit Kondom! Einfach nicht gefühlsecht! Aber sowat darfste dann ja nich sagen.
Und der Thomas will mir dann noch erzählen den Unterschied schmeckste nich.“
, ereifert sich Eddi und fügt nach einer kurzen Denk- und Trinkpause an: „Der Junge muss eigentlich ma zum Bund, hömma! Dat kann dem ma nich schaden neun Monate im Schlamm zu schlafen.“

Der begeisterte Radiohörer Rolli hat vergangene Woche in den Nachrichten einen interessanten Fakt zum Thema Bundeswehr gehört und nutzt die nächste wacholderbedingte Sprechpause seines Stammkunden, um ihn direkt in die Diskussion einzustreuen: „Die suchen doch im Moment, hab ich gehört! Die wollen doch jetzt sogar welche ohne Schulabschluss nehmen.“

Eddi verschluckt sich und meckert hustend drauf los: „Schnapsidee! Wer nichma den Weg zur Schule findet, der findet mit Sicherheit auch nich den Weg nach Afghanistan! Wat willste denn mit denen? Erdkunde, Sport, Deutsch, Mathe – Haben se ja allet keine Ahnung von.
Die sind orientierungslos, pummelig und ungebildet. Da können wir ja gleich Lothar Matthäus ein Gewehr in die Hand drücken und unser Land verteidigen lassen.“

Etwas nachdenklicher fügt er hinzu: „Aber die Abiturienten bekommst du ja garnicht mehr zum Bund, die brauchen ja morgens ihren vegetarischen Schinkenspicker und ne Uniform ohne Puma auf der Brust oder Stiefel ohne drei Streifen an der Seite würden die garnich anziehen. Is ja allet nich mehr so wie früher, die studieren ja alle lieber wat soziales.“

Diese Jugend wird Eddi wohl in seinem Leben nicht mehr verstehen, aber er gibt die Hoffnung nicht auf, dass irgendwann eine neue, eine echte Anpackergeneration nachrückt, denn mit diesen vegenanen Öko-Jugendlichen von heutzutage kann er überhaupt nichts anfangen.
Bis dahin, das muss selbst er einsehen, bleibt ihm eigentlich nur eines: Abwarten und Bier trinken.

35 Gedanken zu “Wurst ohne Fleisch

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