Zwischen Schröder und Hitler

Die Tür der Laterne knarzt als Stammgast Eddi durch sie ins Innere der Schankwirtschaft eintritt. Unter seinen rechten Arm hat er die Bild am Sonntag geklemmt, in der Hand trägt er eine Papiertüte mit dem aufgedruckten Logo seiner Lieblingsbäckerei Schrawe. Er setzt sich auf seinen Stammplatz an der Theke und Rolli beginnt umgehend ihm ein Pils zu zapfen.

„Na, hast du dir ein Lunchpaket mitgebracht?“, fragt ihn sein Wirt anschließend mit einem verschmitzten Grinsen.

„Ach, hör mir bloß auf, du! Diese Diät vonne Ulla bringt mich um!“, antwortet Eddi, packt ein reichlich dick mit Wurst belegtes Baguette-Sandwich aus und beißt beherzt zu. „Ich hab der Heike extra gesagt, sie soll dat Gemüse hier weglassen und stattdessen mehr Zervelatwurst drauf machen.“

Eddi beißt ein zweites Mal in seine Schlachterstulle und schlägt seine Bild-Zeitung auf. Als er einen Artikel zur Amtseinführung des neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron entdeckt schlingt er den letzten Bissen seines Baguettes hinunter und ruft schmatzend: „Da feiern se jetzt alle, dat der Präsident geworden is. Dat kann doch nich sein! Dar Mann is Investment-Banker. Die machen da drüben den Fuchs zum Gärtner und unsere Presse feiert dat noch!“

„Heißt das nicht den Bock zum Schäfer machen?“, wendet Rolli ein.

„Ach! Wat war dat denn überhaupt für ne Wahl? Wenn die schon zwischen zwei Kopien von deutschen Kanzlern abstimmen, warum denn ausgerechnet zwischen Schröder und Hitler?“

„Was hat der Macron denn mit Agenda-Schröder zu tun?“, ruft Matte vom Spielautomaten aus.

„Ja, hömma! Dat kann ich dir aber sagen. Flexibilisierung des Arbeitsmarktes is dat Stichwort! Der is doch auch nur ein Genosse der Bosse!“

„Aber für die Wirtschaft ist das doch gut.“, antwortet Matte

„Ach, wat! Wenn man nur Fabrikmüll produziert, hilft dir auch alle Flexibilisierung nichts! Peugeot, Renault, Wieso, sach ich nur! Wenn du dir da nen Neuwagen kaufst, führt dich doch dat Navi direkt zur nächsten Werkstatt!“

„Und in deiner alten Heimat haben sie jetzt die Kraft abgewählt!“, wirft Rolli unvermittelt ein.

„Ach, hör mir auf, du! Dieser Armin Laschitz, wer is dat überhaupt? Der soll sich erstma vorstellen! Is mir direkt unsympathisch…“, entgegnet Eddi und leert sein Bierglas.

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